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<title>Petarde</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Petarde</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr">
<p>Eine <b>Petarde</b> (<a href="Franz%C3%B6sische_Sprache" title="Französische Sprache">fr.</a> <i><span lang="fr">pétarde</span></i> „Knallerei“, „Geknatter“, aus dem <a href="Mittelfranz%C3%B6sische_Sprache" title="Mittelfranzösische Sprache">mittelfranzösischen</a> <i>péter</i> „furzen“<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>) ist eine <a href="Milit%C3%A4r" title="Militär">militärische</a> <a href="Explosivwaffe" class="mw-redirect" title="Explosivwaffe">Explosivwaffe</a> zum gewaltsamen Aufbrechen von Türen oder Toren an <a href="Befestigungsanlage" class="mw-redirect" title="Befestigungsanlage">Befestigungsanlagen</a>, zum Umreißen von <a href="Palisade" title="Palisade">Palisaden</a> und zur Trennung von Ketten etwa zwischen den Baumstämmen einer Sperre. Daneben wurden Petarden ebenfalls zum Sprengen von Schiffsrümpfen angewandt. Sie wurden im 16. Jahrhundert entwickelt und ab dem 19. Jahrhundert von moderneren Waffen abgelöst.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Beschreibung">Beschreibung</h2></div>
<p>Petarden bestanden meist aus einem massiven becherförmigen Behälter mit halbkugeligem Boden aus Bronze oder Schmiedeeisen. Es gab allerdings auch Varianten aus Holz, die zur Verstärkung eng mit Tauwerk umwickelt und außen mit Leder oder Rohhaut bespannt waren. Letztere Variante, deren Aufbau sehr dem der <a href="Lederkanone" title="Lederkanone">Lederkanonen</a> gleicht, war wohl allerdings nur zum einmaligen Gebrauch geeignet.<sup id="cite_ref-Geibig-2912_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-Geibig-2912-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In der Konstruktion ähneln Petarden sehr kurzen <a href="M%C3%B6rser_(Gesch%C3%BCtz)" title="Mörser (Geschütz)">Mörserläufen</a>. Der Ladungsraum wurde mit feinem, schnell abbrennendem <a href="Schwarzpulver" title="Schwarzpulver">Schwarzpulver</a> bis knapp unterhalb der <a href="M%C3%BCndung_(Waffe)" title="Mündung (Waffe)">Mündung</a> gefüllt und mit einem dünnen Holz- oder <a href="Treibspiegel" title="Treibspiegel">Bleispiegel</a>, Hanf und Wachs verschlossen. Die Petarde wurde dann direkt mit der Mündung mit drei bis vier Schrauben an den zu durchbrechenden Gegenstand befestigt oder auf ein <i>Madrillbrett</i> geschnallt und davor gehängt. War das Vorhängen nicht möglich, konnte diese auch angelehnt und mit Abspreizstangen gegengelagert werden. Die <a href="Treibladung" title="Treibladung">Ladung</a> wurde durch ein <a href="Z%C3%BCndloch" title="Zündloch">Zündloch</a> im Gefäßboden mittels einer <a href="Z%C3%BCndschnur" title="Zündschnur">Zündschnur</a> oder später mit einem <a href="Radschloss" title="Radschloss">Radschlossmechanismus</a> über eine Zugleine gezündet. Durch den geringen Abstand zwischen Mündung und zu brechendem Gegenstand kann der Explosionsdruck (Gasdruck) des <a href="Deflagration" title="Deflagration">deflagrierenden</a> (mit Unterschallgeschwindigkeit explosionsartig abbrennenden) Schwarzpulvers direkt auf das Ziel wirken.<sup id="cite_ref-Geibig-2912_2-1" class="reference"><a href="#cite_note-Geibig-2912-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Ergebnis war ein Loch, das erweitert werden konnte, oder die Zertrümmerung der Tür. Wurde der Petarde ein <i>Matrice-Brett</i> vorgelagert, ein längliches Brett, auf dem vorne quer ein langes Dreikanteisen befestigt war, so konnte diese Vorrichtung Palisaden auf der entsprechenden Länge umreißen. Je stabiler die Widerlagerung der Petarde ausgeführt werden konnte, desto größer war deren durchschlagende Wirkung.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Petardiere">Petardiere</h2></div>
<p><i>Petardier</i> war die Bezeichnung für die Person, die mit dem Einsatz der Petarde beauftragt und vertraut war. Der erste bekannte Einsatz einer Petarde fand 1584 in Köln und Bonn statt, als die Stadttore mit ihr aufgesprengt wurden. Im <a href="Langer_T%C3%BCrkenkrieg" title="Langer Türkenkrieg">Langen Türkenkrieg</a> setzte der kaiserliche Direktor der Artillerie <a href="Johann_von_Pernstein_(1561%E2%80%931597)" class="mw-redirect" title="Johann von Pernstein (1561–1597)">Johann von Pernstein</a> erfolgreich eine von ihm entwickelte Petarde ein. Diese Konstruktion fand als „Pernsteinsche Petarde“ (tschechisch <i>pernštejnska petarda</i>) Eingang in die Militärgeschichte. Die personellen <a href="Gefallener" title="Gefallener">Verluste</a> unter Petardieren waren relativ hoch, da sie direkt an den gegnerischen Verteidigungs- und Sperranlagen operieren mussten, die häufig ungeschützt im Wirkungsbereich der Verteidigungswaffen lagen.<sup id="cite_ref-Geibig-2912_2-2" class="reference"><a href="#cite_note-Geibig-2912-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Museale_Rezeption">Museale Rezeption</h2></div>
<p>Petarden werden in zahlreichen Museen mit militärhistorischen Abteilungen gezeigt, unter anderen im <a href="Germanisches_Nationalmuseum_N%C3%BCrnberg" class="mw-redirect" title="Germanisches Nationalmuseum Nürnberg">Germanischen Nationalmuseum Nürnberg</a>, <a href="Schweizerisches_Nationalmuseum" title="Schweizerisches Nationalmuseum">Schweizerischen Nationalmuseum Zürich</a>, <a href="Bernisches_Historisches_Museum" title="Bernisches Historisches Museum">Bernischen Historischen Museum</a>, <a href="Veste_Coburg" title="Veste Coburg">Museum Veste Coburg</a><sup id="cite_ref-Geibig-2912_2-3" class="reference"><a href="#cite_note-Geibig-2912-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> oder im <a href="K%C3%B6nigliches_D%C3%A4nisches_Zeughausmuseum" title="Königliches Dänisches Zeughausmuseum">Königlich Dänischen Zeughausmuseum</a> in <a href="Kopenhagen" title="Kopenhagen">Kopenhagen</a>. Das <a href="Heeresgeschichtliches_Museum" title="Heeresgeschichtliches Museum">Heeresgeschichtliche Museum</a> in <a href="Wien" title="Wien">Wien</a> hat mehrere Petarden aus dem <a href="17._Jahrhundert" title="17. Jahrhundert">17. Jahrhundert</a> ausgestellt, darunter eine Tor- und eine Palisadenpetarde.<sup id="cite_ref-RauchensteinerLitscher_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-RauchensteinerLitscher-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Aktuelle_Verwendung_der_Bezeichnung">Aktuelle Verwendung der Bezeichnung</h2></div>
<p>Derzeit werden Petarden mit Reibzündung als <a href="Silvesterfeuerwerk" class="mw-redirect" title="Silvesterfeuerwerk">Silvesterfeuerwerkskörper</a> angefertigt.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Alfred_Geibig" title="Alfred Geibig">Alfred Geibig</a>: <cite style="font-style:italic">Petarden</cite>. In: <cite style="font-style:italic">Die Macht des Feuers – ernstes Feuerwerk des 15.–17. Jahrhunderts im Spiegel seiner sächlichen Überlieferung</cite>. Kunstsammlungen der Veste Coburg, Coburg 2012, ISBN 978-3-87472-089-2, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>157–176</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Petarde&rft.atitle=Petarden&rft.au=Alfred+Geibig&rft.btitle=Die+Macht+des+Feuers+-+ernstes+Feuerwerk+des+15.-17.+Jahrhunderts+im+Spiegel+seiner+s%C3%A4chlichen+%C3%9Cberlieferung&rft.date=2012&rft.genre=book&rft.isbn=9783874720892&rft.pages=157-176&rft.place=Coburg&rft.pub=Kunstsammlungen+der+Veste+Coburg" style="display:none"> </span></li>
<li>Friedrich L. Boschke: <cite style="font-style:italic">Ritter, Burgen, Waffen</cite>. Nikol, Hamburg 2003, ISBN 3-933203-65-1.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Petarde&rft.au=Friedrich+L.+Boschke&rft.btitle=Ritter%2C+Burgen%2C+Waffen&rft.date=2003&rft.genre=book&rft.isbn=3933203651&rft.place=Hamburg&rft.pub=Nikol" style="display:none"> </span></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite">American International: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.medievalwarfare.info/weapons.htm#petards"><i>Medieval Weapons.</i></a><span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 22. Oktober 2022</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3APetarde&rft.title=Medieval+Weapons&rft.description=Medieval+Weapons&rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.medievalwarfare.info%2Fweapons.htm%23petards&rft.creator=American+International"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-Geibig-2912-2"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Geibig-2912_2-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Geibig-2912_2-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Geibig-2912_2-2">c</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Geibig-2912_2-3">d</a></sup></span> <span class="reference-text"><a href="Alfred_Geibig" title="Alfred Geibig">Alfred Geibig</a>: <cite style="font-style:italic">Petarden</cite>. In: <cite style="font-style:italic">Die Macht des Feuers – ernstes Feuerwerk des 15.–17. Jahrhunderts im Spiegel seiner sächlichen Überlieferung</cite>. Kunstsammlungen der Veste Coburg, Coburg 2012, ISBN 978-3-87472-089-2, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>157–176</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Petarde&rft.atitle=Petarden&rft.au=Alfred+Geibig&rft.btitle=Die+Macht+des+Feuers+-+ernstes+Feuerwerk+des+15.-17.+Jahrhunderts+im+Spiegel+seiner+s%C3%A4chlichen+%C3%9Cberlieferung&rft.date=2012&rft.genre=book&rft.isbn=9783874720892&rft.pages=157-176&rft.place=Coburg&rft.pub=Kunstsammlungen+der+Veste+Coburg" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-RauchensteinerLitscher-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-RauchensteinerLitscher_3-0">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Manfried_Rauchensteiner" title="Manfried Rauchensteiner">Manfried Rauchensteiner</a>, Manfred Litscher: <cite style="font-style:italic">Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien</cite>. Styria, Graz/Wien/Köln 2000, ISBN 3-222-12834-0, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>30</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Petarde&rft.au=Manfried+Rauchensteiner%2C+Manfred+Litscher&rft.btitle=Das+Heeresgeschichtliche+Museum+in+Wien&rft.date=2000&rft.genre=book&rft.isbn=3222128340&rft.pages=30&rft.place=Graz%2FWien%2FK%C3%B6ln&rft.pub=Styria" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.pyroweb.de/funke-petarde-mit-reibzuendung/">Reibzündungspetarde</a></span>
</li>
</ol>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Petard?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Petarde</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Petarde" class="extiw external" title="wikt:Petarde">Wiktionary: Petarde</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wikisource"></span></span></div><b><a href="https://de.wikisource.org/wiki/Bekanntmachung,_betreffend_die_Verkehrs-Ordnung_f%C3%BCr_die_Eisenbahnen_Deutschlands_/_Anlage_B._Vorschriften_%C3%BCber_bedingungsweise_zur_Bef%C3%B6rderung_zugelassene_Gegenst%C3%A4nde#I." class="extiw external" title="s:Bekanntmachung, betreffend die Verkehrs-Ordnung für die Eisenbahnen Deutschlands / Anlage B. Vorschriften über bedingungsweise zur Beförderung zugelassene Gegenstände">Wikisource: Vorschriften zum Transport der Petarden für Knall-Haltesignale auf den Eisenbahnen (Deutschland, 1892)</a></b> – Quellen und Volltexte</div></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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